Mikko Korhonen dominiert das Shot Clock Masters, Matthias Schwab hat Spitzenplatz noch voll im Visier - Shot Clock Masters

Mikko Korhonen dominiert das Shot Clock Masters, Matthias Schwab hat Spitzenplatz noch voll im Visier


Der Finne Mikko Korhonen ist der Mann der Stunde im Diamond Country Club und geht mit fünf Schlägen Vorsprung in den Finaltag. Matthias Schwab hat immer noch alle Chancen auf einen absoluten Spitzenplatz – genauso wie Miguel Ángel Jimenez, Lee Slattery, Ashun Wu und viele weitere namhafte Stars. Heute gab es drei Penalties wegen Zeitüberschreitung, unter anderem schrieb der Österreicher Clemens Prader Geschichte: Er war der erste Spieler, der von der Shot Clock bestraft wurde.

Moving Day beim Shot Clock Masters im Diamond Country Club – die ganz großen Veränderungen im Scoreboard blieben allerdings aus. Lee Slattery, der Drittplatzierte der letztwöchigen Italian Open, machte mit 6 unter Par einen riesigen Sprung nach vorne, auch der Australier Adam Bland brachte sich mit 6 unter Par in gute Position. Generell darf man sich einen irrsinnig spannenden Sonntag in Atzenbrugg erwarten, die Anzahl der Spieler, die morgen in die Spitzenplätze vordringen können, ist riesengroß. Justin Walters ist auf Platz 2 mit 8 unter Par, dahinter liegen acht Spieler mit 7 unter Par und sechs weitere Spieler mit 6 unter Par. Einzig und allein vorne „thront“ derzeit noch Mikko Korhonen mit großartigen 13 unter Par. Der Finne hat nach drei Tagen kein einziges Bogey kassiert, in dieser Form ist er mit Sicherheit der große Favoriten auf den Sieg beim Shot Clock Masters. Zumal er ja schon im Vorjahr mit dem zweiten Platz ordentlich aufhorchen ließ. „Ich treffe die Fairways und ich treffe die Grüns und brauche nicht viele Putts – ich weiß, es schaut sehr einfach aus, aber mehr kann ich dazu auch nicht sagen. Es läuft einfach“, erklärt Korhonen seine Führungsposition. An seiner Taktik will er auch morgen nichts mehr ändern, der Diamond Course kommt ihm entgegen und das beschleunigte Spiel dank der Shot Clock gefällt ihm ebenso. „Ich war noch nie in der Situation, als Spitzenreiter auf die Schlussrunde gehen zu können, mal schauen, wie das ist. Ich freue mich aber schon sehr darauf“, meinte der 37-Jährige, der – wie man es von einem Finnen durchaus gewohnt ist – wenig spricht und mehr durch sein Spiel auffällt.

Ruhig ist auch eine der Eigenschaften von Matthias Schwab – der Schladminger will vielmehr mit seinem Golfspiel für Schlagzeilen sorgen. Und das tut er im Diamond Country Club seit dem ersten Tag an. Auch wenn er heute mit einer 1-über-Par-Runde nicht ganz an seine zuletzt gezeigten Leistungen anschließen konnte, ist Schwab noch immer in einer aussichtsreichen Position. Er liegt mit 6 unter Par auf Platz 11, auf den zweiten Rang fehlen derzeit nur zwei Schläge. Und selbst Korhonens Sieg ist noch nicht garantiert – wenn der Finne den einen oder anderen Schlagverlust kassiert und Schwab in einen „Flow“ kommt, wie er es zuletzt auf der Challenge Tour in Prag erlebt hat (8 unter Par), dann wird es durchaus noch einmal spannend. „Ich habe heute eigentlich nur einen schweren Fehler gemacht, der wurde mit einem Doppelbogey bestraft. Es waren einfach zu wenig Birdies, daher war der Score nicht gut. Aber morgen ist noch sehr viel möglich, ich werde alles geben.“

Von den Österreichern legten heute Markus Brier und Sepp Straka mit jeweils 2 unter Par die besten Runden hin. Wobei Straka trotzdem ein wenig mit seinen Putts haderte: „Ich habe nicht viele Fehler gemacht, aber es sind keine Putts gefallen. Schade, denn ich hätte heute im Prinzip gut gespielt, aber mir fehlte das nötige Glück auf dem Grün.“ Morgen will der 25-Jährige noch einmal voll angreifen und die Runde etwas aggressiver angehen. „Dann kann ich noch den einen oder anderen Platz nach vorne gutmachen“, freut sich Straka (38.) auf die Schlussrunde.
Brier absolvierte heute seine beste Runde in Atzenbrugg. Mit 2 unter Par liegt der zukünftige Senior-Tour-Spieler auf Platz 48: „Ich sollte vielleicht immer mit Bogey anfangen, das weckt mich auf“, nahm es die heimische Golflegende mit Humor, „ich habe anschließend gute Putts gemacht und eine sehr zufriedenstellende Leistung gezeigt. Wenn es morgen auch so läuft, dann kann ich mich noch um ein paar Plätze im Ranking verbessern.“
Lukas Nemecz kam mit 1 unter Par und einer sehr bunten Scorekarte ins Clubhaus zurück. Gleich fünf Birdies notierte der Grazer, aber leider halt auch zwei Bogeys und ein Doppelbogey. „Ärgerlich war der Ball ins Wasser auf Loch 2, das scheint sich jedes Jahr zu wiederholen“, so Nemecz, „ansonsten war es eine gute Runde. Ich habe mein Spiel etwas aggressiver angelegt, weil ich gehofft habe, dass ich so ein paar Ränge gutmachen kann.“ Mit der Shot Clock hatte er genauso wenige Probleme wie Schwab, Straka und Brier: „Was schon auffällt: Die Ruhepausen, die man zwischendurch auf einer Runde hat, fallen eigentlich weg. Dadurch wird es anstrengender – aber das ist ja auch der Sinn, wir sind Leistungssportler.“
Nur ein Österreicher wird wohl noch länger über die Shot Clock nachdenken: Clemens Prader. Der Tiroler sorgte heute im Diamond Country Club nämlich für ein historisches Ereignis. Er war der erste Spieler auf der Tour, der aufgrund von Zeitüberschreitung einen Strafschlag kassierte – und zwar auf dem Grün auf Loch 6. „Ich habe das „Time“ des Referees nicht gehört, war so in meine Vorbereitung vertieft, dass ich es nicht wahrgenommen habe. Auch mein Caddie sagte nichts“, erklärte der 39-jährige Tiroler das Missgeschick, „natürlich habe ich mich darüber geärgert, zumal ich für den Putt ja sogar 50 Sekunden Zeit gehabt hätte… Danach war ich so verärgert, dass ich alle Wut in den Bunkerschlag beim nächsten Loch legte – und dieser fiel dann ins Loch. Das war schon eine ganz schräge Runde.“ Prader war aber nicht der einzige Spieler, der von der Shot Clock bestraft wurde: Auch der Schotte Grant Forrest (Annäherungsschlag auf Loch 15) und der Italiener Andrea Pavan (Putt auf Loch 18) benötigten zu lange für ihre Vorbereitungen und bekamen jeweils einen Strafschlag aufgebrummt.

Grundsätzlich hat sich die Idee der Shot Clock aber definitiv sehr positiv in die Köpfe der Spieler eingebrannt. Jeder lobt das neue Format und die deutlich kürzeren Runden. Der Schnitt aller Flights lag heute bei 4:10 Stunden – um eine Minute schneller als am ersten Tag. Dies hatte natürlich auch damit zu tun, dass in der Früh zwei 2-Mann-Flights auf die Runde gingen, diese brauchten nicht einmal 3:10 Stunden für ihre Runden.

Morgen Sonntag fällt der Startschuss bereits um 6.40 Uhr früh, wobei (nach einem neuerlichen Cut bei 60 Spielern) in 2-Mann-Flights auf die Runde gegangen wird. Nachdem es beim Shot Clock Masters natürlich auch um das Sammeln von Daten und Statistiken, will die European Tour die Shot Clock mit 2-Mann-Flights testen und die Erkenntnis gewinnen, welche Rundenzeiten und -schnitte tatsächlich möglich sind.

 

Die Platzierungen und Scores der Österreicher:

11. Matthias Schwab (210 / 6 unter Par)
38. Sepp Straka (214 / 2 unter Par)
43. Lukas Nemecz (215 / 1 unter Par)
48. Markus Brier (216 / Par)
70. Clemens Prader (222 / 6 über Par, Cut verpasst)

 

Startzeiten der Österreicher am Schlusstag:

07.30 Uhr: Markus Brier
07.40 Uhr: Lukas Nemecz
08.40 Uhr: Sepp Straka
11.00 Uhr: Matthias Schwab

 

ATZENBRUGG,AUSTRIA,09.JUN.18 – GOLF – PGA European Tour, Shot Clock Masters, Diamond Country Club. Image shows Mikko Korhonen (FIN). Photo: GEPA pictures/ Christian Walgram